Sie werden mittlerweile auch als Erben der Zertifikate bezeichnet, welche im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise einen eher zweifelhaften Rum erlangt haben. Lesen Sie hierzu auch unsere Spezialartikel. Aktienanleihen - die auch als Reverse Convertible Bonds oder Equity linked Bonds bezeichnet werden - sind als solches nicht neu und werden von Unternehmen schon seit geraumer Zeit genutzt.
Als Anleger erwerben Sie eine Anleihe, deren Verzinsung im Normalfall oberhalb der Verzinsung anderer, bonitätsmäßig vergleichbarer Anleihen liegt. Getreu dem einst von Milton Friedman geprägten Satz "Es gibt kein gratis Essen" im Kapitalmarkt, erhält der Anleger diese Mehrverzinsung nur im Zusammenhang mit mehr Risiko. Dieses beinhaltet, dass der Anleger nicht sein eingesetztes Kapital, sondern eine vorher definierte Menge an Aktien zurück erhält. Der Emittent wird dieses Recht natürlich nur dann nutzen, wenn es für ihn vorteilhaft ist, also der zum Ende der Anleihe gültige Aktienkurs niedriger ist, als das in der Anleihe vorgegebene Niveau.
Ein Beispiel
Der aktuelle Aktienkurs der VW Aktie beträgt 70 EUR. Ein Anleger erwirbt eine von der Bank XY begebene Aktienanleihe auf VW Aktien mit dem Nominalvolumen von EUR 10.000. Die Anleihe hat eine Laufzeit von 3 Jahren und eine Verzinsung von 8%. Liegt der Aktienkurs nach den 3 Jahren Laufzeit unterhalb von 62,5 EUR, bekommt der Investor anstelle des Nominalvolumens (EUR 10.000) 162 Stück VW Aktien in Ihr Depot geliefert. Wenn die VW Aktie zum Fälligkeitstag bei z.B. 40 EUR notiert, bekommt er wiederum auch nur 162 Aktien - mit einem Gegenwert von nur noch EUR 6.480 - in das Depot eingebucht. Theoretisch betrachtet kann der Anleger seinen kompletten Einsatz verlieren. Dies würde z.B. dann geschehen, wenn aus der zugrunde liegende Aktie während der Laufzeit ein "Penny Stock" werden sollte. Beispiele hat es dafür schon einige gegeben.

Wie ein normaler Anleiheschuldner auch, partizipiert der Inhaber einer Aktienanleihe nicht an steigenden Börsenkursen, sondern bekommt im besten Falle sein eingesetztes Nominalvolumen zurück. Damit ist die Risikoverteilung einer Aktienanleihe leider asymmetrisch. Befindet sich der Aktienkurs zum Zeitpunkt der Anleiherückzahlung unterhalb des vereinbarten Levels, wird der Anleger an diesem Verlust beteiligt, steig der Aktienkurs erhält der Investor "nur" seine Verzinsung + Rückzahlung, nimmt aber an der Aktienkurssteigerung nicht teil.
Bonitätsrisiko (Adressausfallrisiko)
Ein Risiko, welches wir im Bereich der Zertifikate immer wieder betont haben, ist die Bonität des Emittenten. Somit gilt es zu schauen, wer der eigentliche Emittent der Anleihe ist. In der Regel haben der Emittent (z.B. eine Bank) und die jeweilige Aktienfirma nichts miteinander zu tun. Für das oben beschriebene Beispiel bedeutet dies, wenn die Bank XY insolvent ist, haben Sie als Anleger keine Möglichkeit auf VW zuzugehen und die 162 Aktien zu verlangen. Trennen Sie also stets zischen dem Risiko aus dem Aktienkursverlauf (=sog. Marktpreisrisiko) und dem Kreditausfallrisiko (= Bonitätsrisiko). Beide können, müssen aber nicht zusammenhängen.
Es sei hier auch auf den Unterschied zur sog. Wandelanleihe verwiesen. Auf den ersten Blick mag dieser Anleihetypus ganz ähnlich sein. Allerdings werden Wandelanleihen eher von den betreffenden Aktiengesellschaften selber (also z.B. VW) emittiert. Hintergrund ist dabei, Fremdkapital zu einem späteren Zeitpunkt in wertvolles Eigenkapital zu wandeln. Bei Aktienanleihen versuchen sich Dritte (z.B. eine Bank) zu refinanzieren. Solch eine Refinanzierung könnte natürlich auch durch eine ganz normale Anleihe geschehen. Aber durch z.B. Zertifikate oder Aktienanleihen kann das Produkt einfach noch etwas "aufgepeppt" und interessanter gestaltet werden. Nicht zu vergessen ist die Möglichkeit, entsprechende Margen in den komplexen Produkten zu verstecken (siehe dazu auch später).
Für wen können Aktienanleihen interessant sein?
Schauen wir uns doch einmal verschiedene Szenarien an:
1. Wenn Sie heute sowieso eine bestimmten Aktie kaufen würden, dann sicherlich weil Sie entsprechende Kurssteigerungen erwarten. Genau hierin liegt aber das Problem der Aktienanleihe. Steigt der Kurs, partizipieren Sie nicht davon. Dies bedeutet, dass Sie im besten Falle Ihren Einsatz (im Beispiel die EUR 10.000) wieder zurück bekommen. Somit ist die Aktienanleihe keine Empfehlung, wenn man von steigenden Kursen ausgeht.
2. Gehen Sie von fallenden Aktienkursen aus, dann werden Sie wahrscheinlich weder in die Aktie selber, noch ein eine Aktienanleihe investieren. Im Falle der Direktinvestition sinkt der Aktienwert offensichtlich und im Falle des Reverse Convertible Bonds bekommen Sie die Aktien angedient und sind dem Direktinvestor letztlich gleichgestellt. Somit sind Aktienanleihen im Rahmen von fallenden Aktienkursen auch keine Investmentalternative.
3. Geht ein Investor von einer Seitwärtsbewegung der zugrunde liegenden Aktie aus und hat er sowieso ein prinzipielles Interesse an der Aktie, kann der Erwerb einer Aktienanleihe eine Anlagealternative sein. Nehmen wir an, der Aktienkurs würde sich nur marginal bewegen, hat der Investor eine überdurchschnittliche Verzinsung erhalten und bekommt am Ende der Laufzeit seinen kompletten Einsatz zurück und kann dann bei Bedarf die Aktie immer noch kaufen. Oftmals sind die Anleihen auch so konstruiert, dass der Kurs, ab welchem die Aktien anstelle des Kapitals angedient werden, unterhalb des derzeitigen Aktienkurses liegt (siehe 62,50€ vs. 70€). Somit bekommt der Anleger auch bei einer leichten Abwärtsbewegung noch sein Kapital anstelle der Aktien zurück. Sollte ein Reverse Convertible Bond interessant sein, muss der Investor dennoch die potenzielle Andienung der Aktien ins Kalkül ziehen. Sollte er/sie die Aktien angedient bekommen, muss er jedenfalls auch in der Lage sein, die Kursverluste "aussitzen" oder "verschmerzen" zu können. Ist das Geld zum Rückzahlungszeitpunkt (zum Beispiel für Anschaffungen, Renten, Hausbau etc.) verplant, sollte in jedem Falle vom Erwerb eines Reverse Convertible Bonds abgesehen werden, da das Wertpapiers vom Naturell her näher an der einer Aktie (mit allen Konsequenzen) liegt, auch wenn die Bezeichnung "Anleihe" dahintersteht.

Generell darf man nicht vergessen, dass eine solche Anleihe auch eine (teilweise lange) Laufzeit besitzt. Dies wiederum bedeutet, dass sich der Anleger eine Marktmeinung über die gesamte Anlagedauer bilden muss. Die Anleihe kann zwar auch zwischenzeitlich verkauft werden, was allerdings auch mit Kursrisiken verbunden ist (siehe später).
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